E-Bike vor einer Werkstattwand, daneben Detailansichten von Rahmen und Komponenten (KI-generiertes Symbolbild)

Auf dem ersten Foto fehlt das Vorderrad. Das zweite zeigt einen Kratzer so nah, dass man nicht erkennt, an welchem Bauteil er sitzt. Auf dem dritten zeigt das E-Bike-Display 12,4 km, die Tageskilometer.

So sehen viele Fotos aus, die uns nach einem Unfall erreichen. Einschätzen lässt sich ein Schaden damit kaum. Es folgen Rückfragen und neue Fotos, und jede Lücke in der Dokumentation ist eine Stelle, an der der Versicherer später ansetzen kann.

Dabei reicht ein Smartphone völlig. Entscheidend ist, was auf den Bildern zu sehen ist. Hier zeigen wir, was wir von Geschädigten, Werkstätten und Händlern brauchen.

Wofür die Fotos gebraucht werden

Anhand Ihrer Fotos schätzen wir kostenlos ein, ob ein Gutachten sinnvoll ist oder ob ein Bagatellschaden vorliegt. Das hängt nicht an einem festen Betrag, sondern daran, ob Sie als Laie die Schadenhöhe erkennen konnten. Bei einem gestürzten E-Bike oder einem Carbonrahmen ist das praktisch nie der Fall.

Außerdem belegen die Fotos, um welches Rad es geht, zeigen Ausstattung und Zustand für die Wertermittlung und sichern den Zustand direkt nach dem Unfall. So lassen sich Unfallschäden von älteren Gebrauchsspuren abgrenzen.

Vorbereitung

Fotografieren Sie das Rad so, wie es nach dem Unfall ist: nicht putzen, nichts geraderichten, nichts abbauen. Ideal ist ein ruhiger Hintergrund wie eine Hauswand oder ein Garagentor, ohne Autos, Personen oder Kennzeichen. Gleichmäßiges Tageslicht im Schatten ist besser als pralle Sonne oder Blitz.

Das Rad sollte frei stehen, im Montageständer oder auf dem Seitenständer. Nur wenn das nicht geht, lehnen Sie es am Lenker oder Sattel an, nie an einem beschädigten Teil. Fotografieren Sie dann die freie Seite, drehen Sie das Rad um und fotografieren Sie die andere Seite, an derselben Stelle und im selben Licht.

Die Übersicht: das ganze Rad, von allen Seiten

Wir brauchen vier Diagonalaufnahmen, also vorne links, vorne rechts, hinten links und hinten rechts, dazu beide Seitenansichten.

Skizze in Draufsicht: sechs Aufnahmepositionen rund um ein Fahrrad – vorne links, Seite links, hinten links, hinten rechts, Seite rechts (Antriebsseite, hervorgehoben) und vorne rechts

Grafik: Die sechs Aufnahmepositionen für die Übersicht, von oben gesehen.

Auf jedem dieser Fotos muss das ganze Rad zu sehen sein: beide Laufräder vollständig, nichts angeschnitten, etwas Rand rundherum. Fotografieren Sie im Querformat auf Höhe von Sattel oder Lenker. Gehen Sie ein paar Schritte zurück und zoomen Sie leicht heran, meist auf die 2-fach-Stufe. Aus kurzer Distanz verzerrt das Weitwinkelobjektiv, und Laufräder wirken oval. Tippen Sie vor dem Auslösen auf das Rad, damit die Kamera darauf scharf stellt.

Rahmennummer und Typenschild

Die Rahmennummer sitzt meist unter dem Tretlager. Machen Sie ein Foto, das zeigt, wo sie ist, und eines, auf dem sie lesbar ist. Eingeschlagene Ziffern werden mit einer Taschenlampe flach von der Seite deutlich besser sichtbar. Dazu kommt das Typenschild bzw. der Rahmenaufkleber, beim E-Bike auch die Seriennummern von Akku und Motor.

Laufleistung

Fotografieren Sie beim E-Bike oder Fahrradcomputer die Gesamtkilometer, meist als ODO oder Gesamt bezeichnet, nicht die Tagesstrecke. Fotografieren Sie das Display gerade von vorne, damit es nicht spiegelt. Zeigt Ihre App Laufleistung oder Ladezyklen an, schicken Sie einen Screenshot mit.

Schäden: immer als Dreierreihe

Jeder Schaden wird dreimal fotografiert:

  1. Übersicht: Wo am Rad sitzt der Schaden?
  2. Mittelaufnahme: das ganze Bauteil, zum Beispiel das Schaltwerk.
  3. Detail: formatfüllend, mit Lineal oder Maßband als Maßstab.

Ohne Übersicht lässt sich ein Detailfoto keinem Bauteil zuordnen. Ohne Detail sieht man nicht, wie tief ein Kratzer geht. Bei Rissen, vor allem an Carbon, hilft wieder Streiflicht. Mehr dazu im Beitrag Carbonrahmen nach Unfall. Vergessen Sie nicht die Innenseiten der Kettenstreben, die Unterseite des Unterrohrs und die Hebel am Lenker.

Was ein Foto nicht zeigt: kurze Videos

Manche Schäden sieht man erst in Bewegung. Nehmen Sie dafür ein kurzes Video auf, 10 bis 20 Sekunden reichen.

  • Schlag in der Felge: Rad anheben, Laufrad langsam drehen und die Kamera ruhig auf die Stelle richten, an der die Felge an Bremsbelag oder Rahmen vorbeiläuft. Der feste Bezugspunkt macht das Seitenschwanken sichtbar.
  • Spiel im Steuerlager: Vorderradbremse ziehen und das Rad kräftig vor und zurück schieben. Filmen Sie dabei den Übergang zwischen Gabel und Steuerrohr. Hilfreich ist eine zweite Person, die filmt, während Sie das Rad bewegen.

Ausstattung und Vorschäden

Fotografieren Sie die wichtigen Komponenten einzeln: Schaltung, Bremsen, Gabel, Laufräder, beim E-Bike Motor und Akku. Dokumentieren Sie auch ältere Kratzer, abgefahrene Reifen oder eine verschlissene Kette. Sauber abgegrenzte Vorschäden machen es dem Versicherer schwerer, den ganzen Schaden anzuzweifeln.

Die drei häufigsten Fehler

  • Das Rad ist angeschnitten. Fehlt ein Laufrad oder der Lenker, können wir die Ausstattung nicht erfassen und einen Schaden dort nicht ausschließen.
  • Es gibt nur Detailfotos. Welcher Kratzer wo sitzt und ob er zum Unfall passt, bleibt dann offen.
  • Tageskilometer statt Gesamtlaufleistung. Für die Bewertung ist die Tagesstrecke wertlos.

Für Werkstätten und Händler

Fotografieren Sie das Rad vor jeder Demontage, am besten im Montageständer. Verdeckte Schäden, die Sie beim Zerlegen finden, etwa am Gabelschaft, gehören ebenfalls als Dreierreihe dokumentiert. Bewahren Sie ausgebaute Teile bis zum Abschluss der Regulierung auf und geben Sie Originaldateien weiter.

Fotos übermitteln

Sie erhalten von uns einen Upload-Link für die Fotos in voller Qualität. Bitte keine Filter, kein Zuschneiden. Von Messengern raten wir ab: WhatsApp und ähnliche Dienste verkleinern Bilder beim normalen Versand und entfernen dabei in der Regel die Metadaten mit dem Aufnahmedatum.

Was Fotos leisten und was nicht

Fotos sind die Grundlage für die Ersteinschätzung, ersetzen aber kein Gutachten, wenn kein Bagatellschaden vorliegt. Ob ein Rahmen verzogen ist und was ein gleichwertiges Rad am Markt kostet, klärt erst die Prüfung am Rad mit Marktanalyse.

Die Gutachterkosten muss bei einem unverschuldeten Unfall der Versicherer des Verursachers tragen, auch bei Fahrrädern und E-Bikes. Das Amtsgericht Ansbach hat das bestätigt, obwohl der Versicherer den Totalschaden für offensichtlich hielt (AG Ansbach, Urteil vom 03.11.2021, Az. 1 C 571/21). Das Amtsgericht Cochem sprach Gutachterkosten von knapp 528 Euro sogar bei einem Rad zu, das nur wenige hundert Euro wert war (AG Cochem, Urteil vom 08.11.2023, Az. 22 C 130/23, DAR 2024, 224).

Legt Ihnen der Versicherer nahe, nur Fotos einzureichen, lassen Sie den Schaden zuerst einschätzen. Bei rechtlichen Fragen im Einzelfall hilft ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Smartphone reicht. Nichts reinigen oder reparieren vor den Fotos.
  • Das ganze Rad: vier Diagonalen und beide Seiten, leicht zoomen, auf das Rad scharf stellen.
  • Nur im Notfall anlehnen, dann eine Seite fotografieren, umdrehen, andere Seite.
  • Rahmennummer lesbar.
  • Gesamtkilometer statt Tageskilometer.
  • Jeder Schaden als Dreierreihe.
  • Felgenschlag und Lagerspiel zusätzlich als Video.
  • Originaldateien über unseren Upload-Link.

Foto-Checkliste Fahrradschaden

☐ Rad nicht gereinigt, nichts gerichtet oder abgebaut
☐ 6 Übersichtsfotos: vorne links, Seite links, hinten links, hinten rechts, Seite rechts, vorne rechts
☐ Beide Laufräder vollständig im Bild
☐ Rahmennummer: Lage und lesbar
☐ Typenschild, beim E-Bike Seriennummern von Akku und Motor
☐ Display mit Gesamtkilometern (ODO)
☐ Jeder Schaden als Übersicht, Mittelaufnahme und Detail mit Maßstab
☐ Video bei Felgenschlag oder Spiel im Steuerlager
☐ Ausstattung und Vorschäden einzeln
☐ Originaldateien über den Upload-Link, nicht per Messenger

Häufige Fragen

Reicht ein Smartphone?
Ja. Wichtiger als die Kamera sind Licht, Abstand und dass das ganze Rad im Bild ist.

Wo finde ich die Rahmennummer?
Meist unter dem Tretlager, seltener am Steuerrohr oder Sitzrohr.

Wann ist ein Video sinnvoll?
Bei allem, was man nur in Bewegung sieht, etwa einem Schlag in der Felge oder Spiel im Steuerlager.

Kann ich die Fotos per WhatsApp schicken?
Besser nicht, weil Bilder verkleinert werden und das Aufnahmedatum in der Regel verloren geht. Nutzen Sie unseren Upload-Link.

Kostet die Ersteinschätzung etwas?
Nein, die Ersteinschätzung anhand Ihrer Fotos ist kostenlos.

Fragen zu einem Fahrrad- oder E-Bike-Schaden? Rufen Sie uns an unter 0170 5650072. Auf Wunsch kommen wir zu Ihnen, im Rems-Murr-Kreis und im Raum Stuttgart.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Quellen

  • AG Ansbach, Urteil vom 03.11.2021 – 1 C 571/21
  • AG Cochem, Urteil vom 08.11.2023 – 22 C 130/23 (DAR 2024, 224)